DaWanda und COVID-19

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DaWanda und COVID-19

Als DaWanda 2018 im August eingestellt wurde, war die Überraschung groß. Zumindest für Einige. Wer im Forum mitgelesen hatte, der hatte das schon lange geahnt. Wer auf deutsche Startups oder Exciting Commerce auch mitgelesen hatte, der hatte auch so ein Gefühl, das es bald nicht mehr (so) weiter geht.

Jetzt in Zeiten von Corona wo plötzlich alle Masken selbst erstellen und sogar verkaufen wage ich mal einen Blick zurück.

Die Anfänge

Was waren das für Zeiten damals um 2008. Seit Jahren war Etsy so etwas wie der aufblühende Stern auf dem amerikanischen Startup Himmel. Man ermöglichte kleinen DIY Bastlern seine Produkte online zu verkaufen.

dawanda screenshot 2018
DaWanda Screenshot 2018

Ich fand dieses Thema immer spannend und hatte damals gerade etwas Zeit. Meine Mutter hatte die deutsche Kopie DaWanda ausprobiert und fand diese etwas sperrig und zu teuer, so hab ich mal schnell vondir.de programmiert.

Selbst was bauen

Noch während ich daran programmiert habe, kamen schon die ersten Nutzerinnen. Es war wirklich interessant.

DaWanda sammelte zur gleichen Zeit einiges an Wagniskapital und Kooperationen ein, damit konnte ich als „Ein-Mann-Hobby“ in der abendlichen Freizeit nicht mithalten. Auch die Einnahmen waren ein Problem. Oft kamen im Monat nicht mal die Serverkosten wieder rüber, also nicht einmal 100 Euro rein.

Was machte ich falsch?

vondir.de war von Anfang an kostenlos. Die Idee war, die Gebühren anderweitig reinzuholen: Über kostenpflichtige Zusatzservices (um schon mal vorzugreifen: Mir sind keine eingefallen).

DaWanda hatte anfangs einen Liveticker auf der Seite. Was wurde in den Warenkorb gelegt. Um anzusehen welche Rubriken was verkaufen ideal.

Ich schreib also ein Programm, welches den Liveticker abgeholt hat und die Daten gespeichert. Die Artikelanzahl bei den Produkten wurde damals angezeigt und so war es ein leichtes ca 1-2 Stunden später den Artikel erneut einzulesen und zu sehen, was verkauft wurde.

Überraschung: Nicht das, was ich erwartet hätte. Eine Kategorie war unglaublich erfolgreich, alles andere… Naja.

Problem 1

Schnell war klar: Die Nutzer kauften hauptsächlich von sich selbst. Sehr schlecht. Wie sollte man damit externe Kunden finden, die sich nicht für DIY interessieren?

Es hieß aber auch: Man muss die Nutzer permanent bei Laune halten. DaWanda hatte das mit Newsletter Marketing ganz gut gemacht.

dawanda newsletter

Problem 2

Viele, die dann doch ohne DIY „feeling“ gekauft hatten, fanden die Ware nicht so super toll.

Problem 3

Viele verkauften das Gleiche. In den Kategorien wie Schmuck gab es ca 439574398 Trilliarden mal das Gleiche. Im Vergleich zu einer Playstation war aber eine Halskette kein Standardprodukt. Somit konnte man die Produkte nicht richtig in Gruppen einfügen und … es war eben nicht handhabbar.

Der Zenit war erreicht

Irgendwann hast du dann alle Verkäufer auf der Plattform und die merken irgendwann: Es kaufen nur wenige.

Rechtliche Probleme

Viele Verkäufer hatten weder Gewerbeschein noch Ahnung von dem, was sie da taten. Verkaufen im Internet ist kein rechtsfreier Raum und die Regeln wurden von der Verpackungsverordnung bis DSGVO immer enger gezogen. Das gab immer mehr Probleme und für manche wurde das richtig teuer:

Es geht abwärts

Die Wagniskapitalgeber sehen sicher schon früher, was viele Nutzer bei DaWanda im Forum lesen. Die Anzahl der Shops wird immer kleiner (hierzu finde ich leider den Screenshot nicht mehr). Man konnte das durch eine einfache „leer“ Suche bei DaWanda sehen: X Shops gefunden.

Anfang 2018 gab es im Forum schon wetten, wann die Seite zumacht. Dass es tatsächlich so kommen würde war allerdings dann auch nicht unbedingt absehbar.

dawanda trends
DaWanda im Zeitstrahl (Google Trends)

Ersichtlich hier im zeitlichen Verlauf die Suche nach DaWanda (in blau) und Etsy (in rot) in Deutschland. Auch hier ist das Dilemma zu sehen.

2018 wurde dann zu Gunsten von Kleiderkreisel der Stecker gezogen und schickt die Nutzer zu Etsy

DaWanda und corona

dawanda 2020
DaWanda im Zeitstrahl 2 (Google Trends)

Auffällig zu Corona war der plötzliche Anstieg von „Werbung“ zum kauf von selbstgenähten Masken. Ist der DIY-Hype zurück?

Guckt man auf die letzten Jahre so sieht man, dass DaWanda eben immer weiter abgefallen ist im Interesse der Internetuser.

vondir.de hatte sich zu dieser Zeit schon lange nur noch in Kosten auf meinem Konto bemerkbar gemacht. Die anstehende DSGVO Umstellung wollte ich dann nicht mehr machen und zog den Stecker (1).

Zu meiner Überraschung wurde kurze Zeit später wie schon erwähnt DaWanda eingestellt (2). Somit hab es nichts mehr auf dem deutschen Markt. Ok, Etsy und auch Amazon… aber wenn man sich den Trend (grün) ansieht scheint das nicht zu klappen.

Zu Corona / Covid 19 (2) gabs dann tatsächlich eine Anstieg der Suchen, aber auch dieser scheint moderat und von nur kurzer Dauer zu sein.

Hoffentlich denke ich daran, diesen Artikel später mal upzudaten.

Ende !?

DaWanda hat unglaublich viel gut und richtig gemacht, einiges auch … egal.

Nichtsdestotrotz war aus meiner Sicht kurz nach dem abfischen des Tickers damals klar… das wird sehr schwierig. Die genannte Kategorie führte im Prinzip nur dazu, dass noch mehr Artikel auf DaWanda eingestellt wurden. Das ist gut wenn man Einstellgebühren verlangt, es wird trotzdem zu wenig verkauft. Die rechtlichen Probleme und Gebührenerhöhungen um wohl dem obigen Trend und den daraus folgenden Einnahmeeinbrüchen entgegenzuwirken haben dem Geschäftsmodell das Genick gebrochen. DaWanda hat bei vielen der Themen versucht gegenzusteuern aber es hat eben nicht gereicht bzw war es nicht möglich. Manches ist knapp 2 Jahre nach DaWanda immer noch nicht geklärt.

Schade.

Allerdings muss ich auch zugeben: Was ich nie verstanden habe: Die Anzahl der Mitarbeiter (und in der Folge die Kosten).

vondir kostenlos…?

  1. Auch so ein Trugschluss… Mache nie was kostenlos, es wird keiner danach irgendwas zahlen. Egal für was.
  2. Du bist immer nur Resterampe. Was nichts kostet bekommt auch viel ab was keiner will .
  3. Denke nicht, dass die später was einfällt das Produkt zu monetisieren. Wenn das Hauptprodukt kostenlos ist, dann zahlt keiner für irgendwelche Nebenleistungen. Und die müssen einem erst einmal einfallen…

Ansonsten gäbs hier noch viel zu erzählen. Egal. War trotzdem eine spannende Zeit.

Sonst….

SEO

DaWanda war sehr gut im SEO besonders bzgl Keyword SEO, ich nehme mal an, man hatte gute Hilfe von den entsprechenden Wagniskapitalgebern.

dawanda sistrix keywords
Screenshot ist aus den Anfängen, das wurde später noch sehr viel besser

Stellenanzeige im Javascript Code

Nett war auch die im JS Code versteckte Stellenanzeige. Das hat eben nur gesehen wer sich schon gut auskennt.

dawanda javascript

Besucherstatiken vondir.de

vondir besucherstatistik
Besucherstatiken vondir.de 2008 bis 2018

Weiterführende Links

2 Responses

  1. […] sehen…. aber so kann die Geschichte ja eigentlich nicht enden, […]

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